Jeder ist seines Gehirnes Schmied
BWB-Vortrag über das Gehirn und das Lernen

Lernen findet im Gehirn ständig statt – sozusagen von der Wiege bis zur Bahre. Im Exzellenzcluster „Cognitive Interaction Technology“ der Universität Bielefeld forscht Privatdozentin Dr. Sabine Weiss unter anderem zum Thema „Gehirn und Lernen“.

Zu der BWB-Vortragsveranstaltung am 10. März 2011 kamen mehr als 80 Gäste in das Carl-Severing-Berufskolleg  für Metall- und Elektrotechnik der Stadt Bielefeld um zu erfahren, wie unser Gehirn und wie Lernen dort funktioniert.


 

 

Das Foto zeigt von rechts nach links:
Frau Priv.-Doz. Dr. Sabine Weiss, 
Eberhardt Bolte, Schulleiter des CSB 
Metall- und Elektrotechnik,
Anne Meuer-Willuweit, Vorsitzende des BWB.


Die Vorsitzende des Beruflichen Weiterbildungsverbunds Bielefeld   (BWB) e.V., Anne Meuer-Willuweit, begrüßte 
Frau Dr. Sabine Weiss und die Gäste:

 

 




Frau Dr. Weiss zog die Zuhörer in den Bann der Gehirnforschung. Sie demonstrierte und visualisierte, wie jeder Lernprozess die Struktur des Gehirns auf Ebene der Moleküle bis hin zu umfassenderen Gehirnbereichen verändert. Diese sogenannte neuronale Plastizität - ein anderer Name für Lernen - funktioniert in der Jugend schneller als mit zunehmenden Alter. Aber, und das sind die neueren Erkenntnisse der Gehirnforschung, auch im Alter kann sich das Gehirn noch verändern und damit der Mensch noch lernen. Hier ist die Neurologin und Neurobiologin Rita Levi-Montalcini eine der Pionierinnen in der Forschung. Mit über 70 hat sie den Nobelpreis für die Entdeckung des Nervenwachstums im Gehirn erhalten. Heute ist sie 101 Jahre alt und geht noch jeden Tag in ihr Institut. (!)

Priv. Doz. Dr. Sabine Weiss

Rita Levi-Montalcini an ihrem 
100. Geburtstag


Dr. Weiss erklärte wie unser Gehirn
beim Lernen immer wieder neue Nervennetzwerke bilden kann. Darüber hinaus können Hirnregionen, die beispielsweise für das Sehen zuständig sind, plötzlich das Hören oder Fühlen unterstützen. Neuesten Erkenntnissen zufolge werden während des gesamten Lebens neue Nervenzellen gebildet – in Gehirnstrukturen, die für das Gedächtnis wichtig sind. Im Alter erfolgt diese Neubildung zwar langsamer, kann aber durch Training deutlich gesteigert werden. 

Daraus folgt, dass durch langfristig und regelmäßig durchgeführte Vorbeugungsmaßnahmen eine Verzögerung bzw. positive Beeinflussung von Alterungsprozessen erreicht werden kann. Zu solchen Vorbeugungsmaßnahmen gehören neben der intellektuellen Betätigung die soziale Interaktion, eine gesunde Ernährung und körperliches Training.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass in der Jugend schon einmal Gelerntes und scheinbar Vergessenes im Alter wieder deutlich schneller und besser reaktiviert werden kann. Das bedeutet, dass Training in jüngeren Jahren einen Grundstock für eine bessere Lebensqualität im Alter legt. Aufgrund bestimmter 

Stoffwechseleigenschaften des Gehirns bietet Lernen in der Jugend und auch beim Erwachsenen sogar einen gewissen Schutz vor dementiellen Erkrankungen.Ein Fazit für Bildung und Weiterbildung: Lebensbegleitendes Lernen „von der Wiege bis zu Bahre“ hilft Alterungsprozesse zu verzögern bzw. positiv zu beeinflussen. Wie diese Erkenntnisse in den Unternehmen und bei den Weiterbildungsträgern umgesetzt werden können, ist eine offene Frage aus der Diskussion und lädt zu weiteren Aktivitäten ein.

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